Mit dem Projekt möchten wir die Bevölkerung an drei hochwassergefährdeten bzw. hochwassergeschädigten Standorten zu einer Bestandsaufnahme ihrer aktuellen Situation motivieren. Als Ergebnis sollen sowohl für einzelne Personen als auch für verschiedene Gruppen Risikomanagement-Ideen herausgearbeitet werden.
Kurzum: Wie könnten ideale Präventionskonzepte für die Gebiete aussehen? Und in wieweit kann der Einfluss von Mitmenschen ein entscheidender Faktor sein?
Der Fokus des Projektes liegt folglich auf den Handlungen von einzelnen Individuen und Gruppen (neben der staatlichen Steuerung des Managements) und nicht auf technischen Lösungen im Hochwasserschutz.
Konkret soll durch ein experimentelles Versuchsdesign die Frage beantwortet werden, welche Faktoren (z. B. soziales Kapital, gefühlte Bedrohung, Schadenserwartung, Bewältigungsmöglichkeiten) einen Einfluss auf den Grad und die Motivation der Eigeninitiative (beispielsweise Mobilisierung von Hilfskräften) und die Prävention von Hochwasserereignissen in der Zukunft haben und wie sich diese Randbedingungen verbessern lassen.
Ein Augenmerk richtet sich dabei auch auf Kommunikations- und Interaktionsprozesse zwischen den beteiligten Akteuren (betroffene Bürger und Professionelle) mit dem Ziel einer Optimierung des Risikomanagements bei Hochwasserereignissen (Kooperationsmanagement).
Der anwendungsorientierte Forschungsansatz wird in Kooperation der Fachhochschule Bielefeld mit dem Arbeiter-Samariter-Bunds Deutschland e.V. (ASB) umgesetzt.
Die Ergebnisse sollen schon innerhalb des Projektes zielgruppengerecht auf weitere Gemeinden sowie auf weitere Situationen im Bereich Klimaanpassung (neben dem Hochwasserschutz) ausgeweitet werden. Die Möglichkeiten, die Gruppen durch ihr „soziales Kapital“ haben, können auch auf andere Bereiche übertragen werden. So kann beispielsweise der Klimaschutz allgemein eine höhere Akzeptanz erreichen und CO2-Emissionen könnten durch die Vernetzung von Gruppen verringert werden. Auch im sozialen Bereich könnten solche örtlichen Gruppen (durch die Übertragbarkeit der Ergebnisse) Vorteile weitergeben: ältere Mitbürger können durch die vorhandenen und neu gebildeten Strukturen besser in das Gemeinschaftsleben integriert werden.
Ferner soll durch eine theoriegeleitete qualitative Studie die Frage beantwortet werden, ob die „Freiwillige Deichwacht“ als Beispiel für wirksamen kollektiven Flutschutz/kollektive Aktion dienen kann?