Das Projekt

Optimierung des Risikomanagements bei Hochwasserereignissen

Mit dem Projekt möchten wir die Bevölkerung an drei hochwassergefährdeten bzw. hochwassergeschädigten Standorten zu einer Bestandsaufnahme ihrer aktuellen Situation motivieren. Als Ergebnis sollen sowohl für einzelne Personen als auch für verschiedene Gruppen Risikomanagement-Ideen herausgearbeitet werden.

Kurzum: Wie könnten ideale Präventionskonzepte für die Gebiete aussehen? Und in wieweit kann der Einfluss von Mitmenschen ein entscheidender Faktor sein?

Der Fokus des Projektes liegt folglich auf den Handlungen von einzelnen Individuen und Gruppen (neben der staatlichen Steuerung des Managements) und nicht auf technischen Lösungen im Hochwasserschutz.

Konkret soll durch ein experimentelles Versuchsdesign die Frage beantwortet werden, welche Faktoren (z. B. soziales Kapital, gefühlte Bedrohung, Schadenserwartung, Bewältigungsmöglichkeiten) einen Einfluss auf den Grad und die Motivation der Eigeninitiative (beispielsweise Mobilisierung von Hilfskräften) und die Prävention von Hochwasserereignissen in der Zukunft haben und wie sich diese Randbedingungen verbessern lassen.

Ein Augenmerk richtet sich dabei auch auf Kommunikations- und Interaktionsprozesse zwischen den beteiligten Akteuren (betroffene Bürger und Professionelle) mit dem Ziel einer Optimierung des Risikomanagements bei Hochwasserereignissen (Kooperationsmanagement).

Der anwendungsorientierte Forschungsansatz wird in Kooperation der Fachhochschule Bielefeld mit dem Arbeiter-Samariter-Bunds Deutschland e.V. (ASB) umgesetzt.

 

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Meilensteine des Projekts:

  1. Die Evaluation soll unmittelbar in den hochwassergefährdeten Gemeinden vor Ort stattfinden.
  2. Vorbereitung, Bestandsaufnahme und Analyse der Situation in drei ausgewählten Gemeinden, die als hochwassergefährdet bzw. hochwassergeschädigt gelten (Welche Situation liegt vor? Welche Experten gibt es? Meinung der Experten, welche Ansprechpartner gibt es (Pfarrer, Arzt, Schulen, Ämter, u. a.)?
  3. Gibt es Menschen, die aus persönlicher Erfahrung über extreme Hochwasserereignisse berichten können und die ihr Wissen dazu an andere Akteure oder Gemeinschaften weitergeben können? Diese Menschen sollen motiviert werden, ihre Erlebnisse aufzuschreiben bzw. zu berichten.
  4. Interviews mit Experten (Feuerwehr, Katastrophenschutzeinheiten, Hilfsorganisationen, Technische Dienste) und andere Akteuren
  5. Zusammenstellung von Maßnahmen, Notfallplänen und Tipps dieser Experten in einer Broschüre, die in der Gemeinde verteilt wird. Eventuell können dazu auch moderne IUK Technologien genutzt werden (Apps, Smartphones, soziale Netzwerke).
  6. Treffen einzelner Individuen oder Gemeinschaften mit den Erfahrenen und Experten, um ihr Wissen weiterzugeben (mit anschließender Evaluation, ob diese Weitergabe genutzt werden kann, um die Hochwassergefahr besser vorbereitet zu bewältigen und für die Zukunft eventuell sogar zu vermindern, indem Klimaanpassungskonzepte, wie Bereitstellung von Überflutungsflächen, Rückbau der Deich, eine höhere Akzeptanz in den Gruppen erfahren). Durch das auszuarbeitende Versuchsdesign (beispielsweise „vorher-nachher“, „Gruppen ohne Gespräche-Gruppen mit Gesprächen“) sollen Erkenntnisse zu Faktoren, die die Motivation und Eigeninitiative beeinflussen, gewonnen werden.
  7. Was kann Nachbarschaftshilfe leisten und wie kann sie über die Notsituation hinaus auch für andere Situationen (z. B. ältere Mitbürger benötigen alltägliche Hilfe, allgemeiner Klimaschutz/CO2-Reduktion) genutzt werden? Ist eine soziale alltägliche Integration der älteren Mitbürger durch die Arbeit mit diesen Themen möglich? Beteiligung von älteren Mitmenschen an den Gruppen, Arbeit mit Kindern, um das Wissen weiterzugeben
  8. Die Übertragbarkeit auf andere Gemeinden soll getestet werden.
  9. Abschlussevaluation, Veröffentlichungen
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Wissenstransfer

Die Ergebnisse sollen schon innerhalb des Projektes zielgruppengerecht auf weitere Gemeinden sowie auf weitere Situationen im Bereich Klimaanpassung (neben dem Hochwasserschutz) ausgeweitet werden. Die Möglichkeiten, die Gruppen durch ihr „soziales Kapital“ haben, können auch auf andere Bereiche übertragen werden. So kann beispielsweise der Klimaschutz allgemein eine höhere Akzeptanz erreichen und CO2-Emissionen könnten durch die Vernetzung von Gruppen verringert werden. Auch im sozialen Bereich könnten solche örtlichen Gruppen (durch die Übertragbarkeit der Ergebnisse) Vorteile weitergeben: ältere Mitbürger können durch die vorhandenen und neu gebildeten Strukturen besser in das Gemeinschaftsleben integriert werden.

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Teilprojekt: Geschichtliche Entwicklung der Deichverbände

Ferner soll durch eine theoriegeleitete qualitative Studie die Frage beantwortet werden, ob die  „Freiwillige Deichwacht“ als Beispiel für wirksamen kollektiven Flutschutz/kollektive Aktion dienen kann?